Pfingstworkshop: Stück für Stück zum Stück

Unser zweiter Intensivworkshop fand vom 9. bis 11. Mai im Puppentheater Magdeburg statt. Er zeigte aufs Neue, wie viele Ideen in den "Hausbewohnern" stecken. Er offenbarte vor allem die Geschichten, die die Teilnehmer*innen berühren und auf der Bühne erzählen wollen. Geschichten zum Thema Ausgrenzung, Heimatlosigkeit, Einsamkeit und Gewalt in der Familie (vor allem an Frauen), aber auch hoffnungsvolle Geschichten über Freundschaft und die Möglichkeit, Dinge verändern zu können (siehe Fotos). 

 

An diesen drei Tagen entstand eine erste Sammlung an Szenen, die Ausgangspunkt für unser gemeinsamen Stück sein werden.

 

Dass dies überhaupt möglich war, haben wir vor allem dem afghanischen Puppenspieler Nasir Formuli zu verdanken, der selbst erst seit einem Jahr in Deutschland lebt, um Puppenspiel an der renommierten Ernst-Busch-Schauspielschule zu studieren, und sofort zusagte, als er von unserem Projekt hörte. Unsere afghanischen Jungs blühten - in erhoffter Weise - förmlich auf und zeigten sich ausgelassener und mutiger.

 

Am Montag startete Nasir mit einem Ausflug ins Maskentheater. Geduldig erklärte er allen Teilnehmer*innen, was es zu beachten gilt und welche Besonderheiten im Spiel mit der Maske liegen. So zum Beispiel, dass die Masken durch ihre Machart und ihr Aussehen bereits auf einen Charakter verweisen und sich dies in der Körperlichkeit wiederfinden müsse oder das man der Maske niemals ins Gesicht fassen dürfe- plausibel, schließlich tut man das bei Menschen ja auch nicht. Besonders für jene Teilnehmer, die sich bis dato eher zurückhaltend verhielten, eröffnete sich in dem Spiel mit der Maske neue Möglichkeiten, sich auszudrücken und aus sich herauszukommen. Wir konnten nur noch staunen. Die Begegnung mit Nasir - einem Stückchen Heimat - hatte neue Kräfte und Energien freigesetzt, die in Form von Spielfreude- und lust zum Ausdruck kamen. 

  

Der zweite Tag war - gewohnt -  bewegungsintensiv. Breakdance-Projektleiter Chris Sasse brachte uns zum Schwitzen und erarbeitete mit der ganzen Gruppe eine Choreographie. Nach dieser Erwärmung (bei einer tatsächlichen  Außentemperatur von 30 Grad Celsius) ging es zurück zu den am Vortag bereits erarbeiteten Szenen, um sie durch eine "tänzerische" Komponente zu erweitern. Vor allem ging es in dieser Einheit darum, zu zeigen, was der Körper erzählen kann (und muss), wenn das Gesicht durch eine Maske verdeckt ist.

 

Der Mittwoch bildete den Abschluss des dreitägigen Workshops und brachte uns einen Riesenschritt näher an unser gemeinsames Stück. Noch viel wichtiger, er brachte uns einander als Gruppe näher.

Die improvisierten Sequenzen der beiden Vortage wurden weiterentwickelt, wobei die Spieler*innen nun die Aufgabe hatten, alle oder einen Teil der Mittel, die sie in den vergangenen Monaten kennengelernt hatten, wie Puppenspiel, Objekttheater, Tanz, Maskenspiel auszuwählen und in ihre Szenen einzubauen.

 

Dabei zeigte sich, das die Spieler*innen über die sprachlichen Grenzen hinweg größeres Zutrauen zueinander gefunden hatten. So schnappte sich Anna vom Puppenspielclub Hassan aus der interkulturellen Puppenspielgruppe und zeigte ihm, wie man mit einer Tischpuppe umgeht. Gleichzeitig bettelte Dominic von den Breakern Nici von den "Knipsern" an, dass er auch fotografieren dürfe, während Maro (Breaker), Omid (interkulturelle Puppenspielgruppe) und Yannek (PSC) ein aberwitziges Spiel mit den Masken zeigten, so dass wir aus dem Lachen nicht mehr heraus kamen.....

 

..und am Ende der vierstündigen Probe, fragte mich zu meiner großen Freude ein Teilnehmer, der in den regulären Proben eigentlich bereits nach 15 Minuten fragt, wann Schluss sei, ob wir denn tatsächlich SCHON fertig wären.....Das sind die schönen Momente im Theaterleben, die einen Lust machen, weiterzumachen, egal wie schwierig es ist.

 

 

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