Das Harztagebuch: Körperklang und Korrekturen

Der vierte Tag im Sommercamp startete bis auf eine Knipser-Kamera, die den Frühstückstisch filmte, ganz normal. Gegen halb 10 kam dann Jennifer Fulton und machte mit den Hausbewohnern einen Musikworkshop.

 Die Theaterpädagogin und Musikerin spielt in zwei Bands und gehört wie Kerstin zu Theaterlandschafft e.V.. Sie zeigte uns, wie man mit seinem eigenen Körper Musik macht, ohne einen riesigen Berg an Instrumenten mitnehmen zu müssen. Zuerst probierten alle nacheinander aus, mit welchen Körperteilen welche Töne möglich sind. Nesa macht das ja schon seit Montag, aber jetzt ging es darum, Klopfgeräusche mit Stimme und Rhythmus zu kombinieren. „Voice and Beat“ nannte Jennifer das. Dann haben sich die Kids in kleinen Gruppen selbst eine Bodypercussion-Komposition ausgedacht und präsentiert.

 

Dann begeisterte Jennifer uns alle mit ihrer tollen Soulstimme, sang mit uns gemeinsam und schmetterte am Ende „Hit the Road Jack“ für uns. Wir bedankten uns bei ihr mit tosendem Applaus.

 

Das neuseeländische Lied, das Jennifer uns beibrachte, haben wir dann auch gleich in unser Arsenal an Gruppenritualen übernommen und später vor unserer Probe gemacht.


Da die Hausbewohner aus so vielen verschiedenen Ländern kommen und unsere Arbeitsgruppen ja international gemischt sind, gab es am Donnerstag auch mal internationale Küche: Hassan, Hussein und Mohsen bereiteten mit den Betreuern das typisch afghanische Mittagessen zu. Als sie Marlen erzählten, dass es Spagetti mit Kartoffeln geben würde, wunderte nicht nur sie sich. Aber die Mischung aus Nudeln, Kartoffeln, Kidneybohnen und Kichererbsen schmeckte allen prima und wir langten gern noch einmal zu.

Nach dem Mittagessen begannen die Korrekturproben. Die Erkenntnisse und Beobachtungen aus dem Einzelszenen-Training und aus der Durchlaufprobe besprachen Mimo und Marlen mit allen gemeinsam und beschlossen, was an den Szenen geändert und wer was noch beachten muss. 

So muss zum Beispiel Maro aufpassen, dass er die Ohrfeigen an Nesa und Dominic nur spielt und nicht tatsächlich zuhaut. Auch Temmo und Omid müssen in der Ali-Szene vorsichtig mit Ali umgehen und dürfen nicht zu heftig an seinen Armen ziehen. „Ich spiele es nur, ich mache es nicht wirklich“, erklärte Mimo, als er und Marlen beispielhaft vormachten, wie man es richtig gut hin bekommt.

Während Chris und Mimo mit Nesa, Dominic, Jonas, Fabienne, Temmo und Maro die Hofszenen probten, nutzten einige andere die Zeit, um nach Friedrichsbrunn zu laufen und einzukaufen. Una nahm in der Zeit ihr erstes Harztagebuch-Video auf und berichtete aus ihrer Sicht von den ersten dreieinhalb Tagen. Ansonsten genossen alle ihre Freizeit, spielten Federball, Fußball oder ruhten sich aus.

Das Abendprogramm begann mit der Stellprobe. Hardi hat uns dafür sogar seine Lichttechnik und Sound auf die kleine Bühne am Forellenteich gezaubert.

Unsere Akteure müssen wissen, wer zu welchem Zeitpunkt die Bühnenteile für die nächste Szene vorbereitet. Das muss geübt werden. Danach ging es an die zweite Durchlaufprobe. Leider fing es irgendwann an zu regnen und alle flüchteten nach drinnen. Dort wurde die Probe dann zu Ende geführt.

Es ist deutlich zu sehen, wie gut uns und dem Stück das Harzcamp tut. Bei jeder Probe sieht man die Fortschritte und die einzelnen Szenen werden immer differenzierter und unsere Hausbewohner auf der Bühne immer sicherer und besser. Doch die Arbeit ist noch nicht getan!


Zur Belohnung für die gute Probe und als herrlichen Abschluss des Abends gab es Stockbrot bzw. Knüppelteig, das wir über Hardis Lagerfeuer rösteten. Ein anstrengender aber wunderschöner Tag.

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